Sampler

Q2

 

 

 

 

Engel5

Plötzlich erschien ein Engel, nahm mir die Krücken weg und stieß mich zu Boden.

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Das Kamel und Ich

Sieben Tage war ich auf der Reise, da starb das Kamel. Sieben Tage. Sieben? Doch, ich glaube es waren wirklich sieben Tage.
Ich sah in die Augen des Kamels. Irgendwie schaute es traurig drein. Ob es vielleicht wusste, dass es sterben musste?
Das Kamel schaute so traurig, und ich wollte nicht dass es stirbt.
Doch nun war es tot. Ich musste es begraben, denn ich konnte es ja unmöglich einfach so liegen lassen mit seinen traurigen Augen. Doch hatte ich keine Schaufel dabei und das Kamel war dazu auch noch sehr groß. So grub ich ein kleines Loch in den Sand, mit meinen Händen. Dort hinein legte ich den Kopf des Kamels und bedeckte ihn mit Sand.
Ich stand eine Weile vor dem leblosen Körper und sah mich um.
Jetzt war ich ganz allein.
Niergendwo eine Menschenseele zu sehen, nicht einmal ein Pflanze, geschweige denn ein Tier. Nur Sand bis zum Horizont. Und die Sonne. Sie schien so heiß!
Ich war völlig durchgeschwitzt als ich so vor dem toten Kamel stand. Ich glaube nicht, dass ich nur einen Schritt tat. Bis zum Sonnenuntergang stand ich so da.
Und als es wieder hell wurde, stand ich noch immer auf der gleichen Stelle.
Ich wollte nicht fort. Wohin sollte ich auch gehen?
Das Kamel welches mich sieben Tage lang durch die Gegend getragen hatte, war nun tot.

Wieso es wohl so traurige Augen besaß? Vielleicht hatte das Kamel diese traurigen Augen schon seit längerem? Vielleicht seit sieben Tagen? Ich hatte dem Kamel auch nie vorher in die Augen geschaut. Erst als es zusammenbrach, da sah ich in seine Augen.
Wenn ich es recht bedenke, war es das Kamel das mich dann als erstes angeschaut hatte. Es sah in mein Gesicht, direkt in meine Augen. Erst da bemerkte ich seinen traurigen Blick. Vielleicht hatte es den auch schon seit dem Tag seiner Geburt? Oder es hatte eine Krankheit? Vielleicht war es auch schon alt? Ja, ich glaube es war schon älter. Junge Kamele besitzen nicht solch einen traurigen Blick. Aber wie auch immer, jetzt war es tot.
Weshalb soll ich mir nun noch Gedanken um seine traurigen Augen machen? Das Kamel ist tot und ich lebe!
Seltsam ist doch eigentlich, dass ich mir gar keine Gedanken um mich und mein Wohlbefinden mache, denn nun besteht auch für mich keine Chance mehr. Ohne das Kamel werde auch ich bald sterben, denn das Kamel hatte mich getragen, bis hierher.
Laufen kann ich auch nicht. Ich meine ich kann schon laufen, in dem Sinne dass ich mich fortbewege. Aber nicht jetzt, denn es hätte gar keinen Sinn.
Da ist doch nichts was ich sehen kann, nur Sand bis zum Horizont. Wohin sollte ich denn laufen?
Geradeaus? Natürlich geradeaus! Hier geht es überall nur geradeaus.
Doch in welche Richtung? Nach Norden, Süden, Westen oder Osten? Wo ist hier eingentlich Norden? Wo Süden? Wo Westen und wo Osten? Aber was soll’s? Ich kann nun ohnehin nicht mehr weiter.

Eigentlich konnte das Kamel die traurigen Augen nicht durch mein Dazutun bekommen haben. Ich habe es nie angeschrien. Ja, ich hatte noch nicht einmal Zügel, mit denen ich das Tier in irgendeine Richtung dirigiert habe. Es konnte gehen wohin es wollte.
Ich habe auch nie darüber nachgedacht.
Ich meine während wir so dahinritten.
Das Kamel lief und es trug mich. So war es gut.
Die Reise war auch nicht allzu strapaziös.
Gut, das Kamel hatte mich zu tragen. Aber ich bin nicht schwer und Gepäck habe ich auch keines dabei.
Das Kamel konnte gehen wohin es wollte. Eigentlich war es frei! Ich hatte dem Tier nie befohlen, wohin es zu gehen hatte.
Die Sonne schien, aber es war nie zu heiß.
Ab und zu stand mir schon einmal der Schweiß auf der Stirn und manchmal wurde ich auch ein wenig müde. Dann ließ ich meinen Kopf sinken und schloss die Augen, denn das Kamel trug mich ja.
Und das Kamel?
Es war dieses Klima gewöhnt. Anders als ich war es sozusagen hier zu Hause. Nein, ich konnte dem Kamel keine Last gewesen sein. Die Reise war für das Kamel doch eigentlich nichts anders als die Freiheit. Und davon konnte es doch keine traurigen Augen bekommen haben oder gar daran zu Grunde gegangen sein. Nein, das hatte nichts mit mir zu tun! Das Kamel musste an irgendetwas anderem gestorben sein.

Seltsam, ich denke noch immer über das Kamel nach.

Seit sieben Tagen habe ich nicht an das Kamel gedacht. Aber ich habe nicht nur nicht an das Kamel gedacht, sondern auch nicht an mich oder überhaupt an irgendetwas.
Wieso hätte ich denn auch an das Kamel denken sollen? Das Kamel trug mich, ich brauchte mich um nichts zu kümmern. Die Zeit verging wie im Fluge. Alles war so friedlich und ruhig. Nichts, aber auch wirklich nichts konnte meine Seele belasten.
Eigentlich hat sich doch nichts verändert! Hier ist es nach wie vor genauso friedlich und ruhig. Der gleiche Horizont. Die gleiche Sonne. Nur das Kamel, das Kamel liegt jetzt tot auf dem Boden. Ein dunkler Fleck auf endlosem weißem Sand.

Die Spuren!!

Jetzt sehe ich sie zum ersten mal. Die Spuren enden hier, genau an dieser Stelle.

Dort liegt das Kamel und ich stehe hier. Hinter uns die Spuren, bis zum Horizont. Irgendwo ganz weit zurück, dort wo der Sand beginnt, dort müssten auch die Spuren anfangen. Aber das liegt sieben Tage zurück. Sieben? Ja, ich glaube es waren sieben Tage. Sieben Tage – oder Wochen? Nein, sieben Tage war es her, da starb das Kamel.
Aber wie dem auch sei.
Die Spuren enden hier. Hier wo das Kamel liegt und wo ich stehe.

Ja hatte ich mich denn wirklich nicht einmal umgeschaut? Ich meine, dann hätte ich doch die Spuren sehen müssen. Sie sehen so schön aus, eine gerade Linie im Sand, die genau hier endet.
Nein, das wäre mir aufgefallen, wenn ich mich umgeschaut hätte. Aber vielleicht habe ich es auch wieder vergessen. Auf jeden Fall hatte ich mich schon lange nicht mehr umgeschaut. Wenigstens seit…seit…ach, ich weiß nicht! Was kümmert’s mich auch noch?
Ich stehe hier und das Kamel liegt dort und ich denke darüber nach, wie lange ich mich nicht mehr umgeschaut habe. Aber was soll ich auch anderes tun?
Wenigstens sehe ich jetzt nicht mehr seine traurigen Augen, denn den Kopf, den habe ich begraben.
Wieso musste das dumme Biest auch sterben?
Jetzt, wo alles so anders ist.
Ich stehe hier auf meinen Beinen.
Ein paar Schritte habe ich, glaube ich auch schon getan.
Ich sollte auf dem Rücken dieses Tieres sitzen und es sollte mich tragen.
Nichts ist mehr wie vorher!
Es ist gar nicht mehr schön!
Nein, es ist blöd. Saublöd! Wahrscheinlich werde auch ich noch krepieren! Hier neben dem Kamel.
Wenigstens werde ich nicht traurig blicken! Nein, das ganz bestimmt nicht!
Außerdem wäre auch niemand da, der meinen Kopf …Oh, Scheiße, ich werde sterben!!
Aber wieso sollte auch jemand meinen Kopf vergraben? Erstens kommt hier mit Sicherheit niemand vorbei, und zweitens werde ich dann auch nicht so traurige Augen haben. Ich meine, so dass jemand Mitleid empfindet und meinen Anblick nicht ertragen könnte. Nein, wenn ich sterbe dann mit Wut in den Augen. Richtige Wut und Zorn. Zorn darüber, dass das blöde Kamel mich auf dem Gewissen hat.

So ein Blödsinn. Da bin ich so schön herumgeritten und muss jetzt sterben. Nur weil so ein dummes Tier einfach seinen Geist aufgibt.

Vielleicht sollte ich doch weiter gehen? Ich meine, jetzt wo das Kamel tot ist und ich auch schon mal stehe und ein paar Schritte getan habe.
Was bleibt mir auch anders übrig?
Das Kamel ist tot. Und ich lebe.
Noch!

Bald geht auch die Sonne wieder unter.

Im Dunklen kann ich nicht gehen! Ich sehe dann nicht wo entlang. Aber das ist ja eh egal. Ich weiß ohnehin nicht wohin! Und wenn ich nicht weiß wohin, ja dann kann ich mich auch nicht verlaufen.
Aber ich werde dennoch den nächsten Tag abwarten.
So ganz allein im Dunklen? Da kann einem schnell etwas zustoßen, obwohl ich ja nicht glaube, dass es hier außer mir noch andere Lebewesen gibt.
Nein, ich werde hier erst einmal den nächsten Tag abwarten.
Aber bin ich hier sicherer als draußen?
Draußen? Was rede ich? Ich bin draußen!
Aber hier bin ich nicht allein. Das Kamel ist ja noch da! Es ist zwar tot, aber ich bin nicht allein.
Das Kamel ist noch etwas warm – und weich ist es auch. Es wäre kein schlechtes Nachtlager.
Und falls doch jemand kommt: das Kamel ist groß und wirkt vielleicht auch ein bisschen Furcht einflößend.
Ich glaube ich hätte den Kopf nicht begraben sollen. So sieht es doch ein wenig tot aus.
Aber wer weiß, vielleicht ist das tote Kamel auch so abschreckend genug?
Menschen haben leicht Angst vor Toten. Wenigstens vor toten Menschen. Vor toten Kamelen weiß ich nicht.
Nein, ich werde den Kopf unter der Erde lassen. Ja, so ist es gut. Und jetzt lege ich mich schlafen, bis Morgen, dann werde ich weiter sehen!

Irgendwann schlief ich dann auch tatsächlich ein. Ich weiß nicht wann und wie, aber ich musste eingeschlafen sein. Denn als ich erwachte, lag da das tote Kamel. Auf dem Boden, im Sand.
Sieben Tage war ich auf der Reise, da starb das Kamel. Sieben Tage. Sieben? Doch, ich glaube es waren wirklich sieben Tage.

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Wärmflasche

Natürlich bist Du das Baby welches ich gewillt wäre an meinen Brüsten zu stillen.

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Brüste

Meine Liebe steht in einem kleinen Regal
in einer Ecke meiner Wohnung.
Sie ist nummeriert und schon leicht verstaubt.
Einmal in der Woche sehe ich nach ihr.
Der Staub steht ihr gut.

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Sonnen

Black and White

 

 

 

 

 

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